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Externsteine

Published on 9. September 2011 by in Ausflugsziele

Im Nordostteil von Nordrhein-Westfalen, also im Südteil des Kreises Lippe gelegen gehören die Externsteine zum Horn-Bad Meinberger Stadtteil Holzhausen-Externsteine.

Externsteine

Externsteine

Die Felsen sind ein Teil der mittleren Gebirgskette des Teuteburger Waldes. Die ehemals waagerecht liegenden Gesteinsschichten haben sich vor etwa 70 Millionen Jahren hier dann lokal genau senkrecht gestellten.

Die Felsgruppe ragt maximal 47,7m über die Oberfläche des „Wiembecketeichs“ in die Höhe und erstreckt sich linienförmig über mehrere hundert Meter Länge. Sie beginnt etwas versteckt im Wald mit vereinzelten kleinen Felsen und zieht sich hin bis zu den gut sichtbaren 13 relativ freistehenden Einzelfelsen. Diese Felsenburg besteht aus relativ hartem und daher ziemlich verwitterungsresistentem Osning-Sandstein.

Die geologische Bedeutung der Externsteine wurde am 12. Mai 2006 mit der Auszeichnung als „Nationales Geotop“ durch die Akademie für Geowissenschaften zu Hannover gewürdigt.

Die Felsen in deren Besitz und deren Verwaltung der Landesverband Lippe übernimmt sind unter Kultur- und Denkmalschutz gestellt worden, da dieses etwa 127 ha umfassende Gebiet eine sehr grosse geologische und kulturhistorische Bedeutung hat.

Das Naturschutzgebiet ist besonders für die Flora und Fauna wertvoll, da es hier geschützte Tierarten, seltene Moose und Flechten, Gräser und Bäume gibt. Bei Letzteren sind es die im Umland vorkommenden Alteichen, die noch aus mittelalterlicher Bewirtschaftung stammen.

Die einzelnen Felsen werden in ihrer Verlaufsrichtung von Nordwesten nach Südosten durchgezählt und bezeichnet. So wird z.B. der markante Felsen Nr. 2 wegen seiner Gestalt herkömmlich als Turmfels bezeichnet. Der nächste Felsen wird als Treppenfelsen bezeichnet da sich an seinen Seiten eine in den Stein geschlagene Treppe zum Turmfelsen emporwindet.

Eine mächtige Kluft, durch die seit etwa 200 Jahren eine Straße führt, trennt den Treppenfelsen von Fels 4, auf dem ein mächtiger Brocken lose liegt, der für das Auge abzustürzen droht. Nach diesem wackligen Stein spricht man vom Wackelsteinfelsen. Er wird überragt von dem anschließenden Felsen 5, der nach einem am Gipfel sichtbaren, nach Südosten blickenden Männerkopf der Ruferfelsen genannt wird. Etwa acht weitere Felsen folgen in südöstlicher Richtung.

Externsteine - Altar

Externsteine - Altar (2007)

Je nachdem von welcher Seite man auf die Felsen schaut, stellen sie sich unterschiedlich da. Auf der Nordostseite der Felsen nimmt man eine Fülle von Bearbeitungsspuren wahr. Auf der nach Südwesten blickenden Seite sind nur wenige Spuren zu finden. So werden die Felsen mit dem Eindruck einer Ursprünglichkeit hier gewahrt, während die Nordostseite derart von Menschenhand überformt ist, dass der Eindruck einer Ruine entsteht. Es befinden sich kleine Gänge und Grotten in den Felsen wovon die meisten wegen des angestauten Teiches nicht mehr zugänglich sind. Auf dem Turmfelsen wurde eine Art Altar mit Hammer und Meißel hineingeschlagen (siehe Foto, hier mit goldenen Verzierungen für die Dreharbeiten zum Film “Die Jagd nach dem Schatz der Nibelungen”), der aber auch für astronomische Beobachtungen besonders zur Sommersonnenwende gedient haben kann.

Überall sind Verzierungen, Bilder, Runen und Inschriften zu erkennen, die aus vielen Epochen stammen und unterschiedlich gedeutet werden. Als Größtes ist das ca. fünfeinhalb Meter hohe mittelalterliche „Kreuzabnahmerelief“ eingeschlagen (siehe Foto). Es gilt als die älteste aus massivem Fels gehauene Steinmetzplastik nördlich der Alpen und wird in die Zeit zwischen 1130 und 1160 datiert. Unter anderem sind die Grotten und der Altar (auch Kapelle genannt) christlichen Ursprungs und könnten als Nachbauten der Grabheiligtümer von Jerusalem interpretiert werden.

Bemerkenswert ist ein etwa 4 Meter langes Rohr schräg hinunter von einer Grotte bis zu Höhe des Sargsteins, wo es am Kopfende wieder ins Freie tritt. Der Sargstein am Fuß des Grottenfelsens ist an allen Seiten bearbeitet. In seine Nordwestseite ist eine Art von Arcosolgrab mit einer menschenförmigen Aussparung für den aufzunehmenden Leib eingehauen. In der Grotte liegt die Öffnung neben dem Fenster im Fußboden, allerdings durch Zement verschlossen.

Der Treppenfelsen (Nr. 3) bietet heute vor allem den Aufgang zur Höhenkammer des Turmfelsens, die man von ihm aus in luftiger Höhe über eine Holzbrücke erreicht. Auch hier gibt es Reste andersartiger älterer Treppenanlagen. Auf der Höhe des Felsens sind im Südwesten Reste einer Kammer vorhanden.

Im Jahr 1564 wurden die Felsen vermutlich zum ersten mal schriftlich benannt und galten als ein germanisches Heiligtum, das durch Karl den Großen zerstört worden sei. Diese Interpretation erlebte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem allgemein aufkommenden Interesse an Vor- und Frühgeschichte einen ersten Höhepunkt, um sich dann in den 1920er Jahren bis 1945 erneut großer Popularität zu erfreuen. Seitdem werden, vor allem in der heimatkundlichen Forschung, diese Ansätze immer wieder aufgegriffen, wobei die Interpretationen von Sternwarte bis hin zu Kultplatz reichen.

Archäologische Funde reichen von Feuerstein-Spitzen aus der Altsteinzeit (10.000 v.C.) über Keramiken und Metallgüter bis hin zu römischen Handelswegen (Hohlwege), wobei deren Bedeutung und menschliche Nutzung oft unklar ist und bestimmt auch bleibt. Die Artefakte werden nun im Lippischen Landesmuseum Detmold aufbewahrt.

1836 wurde aus romantisch-landschaftsästhetischen Gründen der unterhalb der Felsengruppe fließende Bach Wiembecke zum Wiembecketeich aufgestaut. Dieser künstliche Teich wurde später zur Zeit des Nationalsozialismus für Grabungszwecke und im Rahmen der Gestaltung des Areals abgelassen, nach 1945 aber wieder neu angelegt.

1881 und 1888 fanden die ersten archäologischen Grabungs-Kampagnen unter eher schlichten Bedingungen an den Externsteinen statt. Im Rückblick ist davon auszugehen, dass damals insgesamt mehr zerstört als entdeckt worden ist. 1932 wurde eine archäologische Sondierungsgrabung durch einen Bodendenkmalpfleger im Auftrag des damaligen Freistaats Lippe vorgenommen.

Kreuzabnahmerelief

Kreuzabnahmerelief

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde 1933 von Heinrich Himmel die Externstein-Stifftung gegründet um zur Erinnerung an die Ahnen die Felsen in einen „Heiligen Hain“ umzugestallten. So beschäftigen sich zwei verschiedene Organisationen mit der „Externsteinforschung“: die SS-Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e. V. und das sog. Amt Rosenberg. Umfangreiche archäologische Ausgrabungen wurden 1934 und 1935 durchgeführt und dokumentiert. Ziel war es Belege für eine vorchristliche germanische Kultstätte zu finden. So auch Wilhelm Teudt, der Mitte der 1920er-Jahre in den Externsteinen den Standort des vermeintlichen sächsischen Hauptheiligtums Irminsul entdeckt zu haben glaubte. Die Irminsul galt in völkischen und gilt in neuheidnischen Kreisen als Symbol des letzten Widerstandes der alten germanischen Religion, bevor sie von Karl dem Großen im Zuge der Christianisierung zerstört wurde.

Auch heute noch werden die Externsteine von verschiedenen, im weitesten Sinne esoterischen Gruppen sowie der neuheidnischen Szene als „Kraftort“ angesehen. Festivalartig finden in jedem Jahr zur Walpurgisnacht und Sommersonnenwende die deutschlandweit größten, informell organisierten Treffen vieler Gruppen und Einzelpersonen aus dem esoterischen Spektrum statt. In kleinerem Rahmen finden Treffen auch an anderen Terminen statt. Ab 2010 sind zur Walpurgisnacht und zur Sommersonnenwende Zelte, Alkohol und Lagerfeuer verboten. Das Alkoholverbot wurde zur Walpurgisnacht allerdings nicht durchgesetzt. Insbesondere zum 1. Mai und Mittsommernacht suchen Privatleute die Kultstätte zu Feierlichkeiten auf.

Ein Symbol sind die Externsteine auch für Gruppen, wie die Freien Kameradschaften. Um 2004 vergruben die „Jungen Konservativen“ unter dem Schlagwort „Trauern um Deutschland“ Gegenstände wie die deutsche Flagge, Lindenblätter, gentechnisch „reine“ Getreidesorten und Exemplare der Jungen Freiheit sowie antifaschistische Texte.

Im Jahr 1813 wurde der durch die Felsen verlaufende alte Fernweg – der heutige Wanderweg – zur Straße ausgebaut bzw. befestigt. Im Rahmen der Verkehrssicherung wurde auch der Wackelstein, der alten Geschichten zufolge auf Feinde des Ortes herunterstürzen sollte, mit Eisenhaken befestigt. Von 1912 bis 1935 verkehrte auf der Fernstraße eine Überlandstraßenbahn der PESAG von Paderborn über Horn nach Detmold, die bei den Felsen eine Haltestelle hatte. Bei Einführung der Fernstraßennummerierung 1932 wurde die Straße Teil der Fernverkehrsstraße Nr. 1 (Aachen-Königsberg), die 1934 in Reichsstraße 1 umbenannt und 1936 nach Südosten verlegt wurde (seit 1949 Bundesstraße 1). 1940 wurde die ehemalige Reichsstraße für den öffentlichen Kraftfahrzeug-Verkehr gesperrt und das Gebiet zum Erholungsgebiet erklärt.

Bis 1941 verkehrten an sommerlichen Sonn- und Feiertagen noch Straßenbahnen im Pendelverkehr auf einer Stichstrecke nach Horn-Externsteine.

1953 wurde der Externstein-Abschnitt der Straßenbahn-Strecke, die zuvor nur noch unregelmäßig und zu touristischen Zwecken befahren wurde, aufgegeben. Bis heute sind an den Felsen Einbuchtungen und Metallreste der Anlagen zu sehen.

Seit Ende der 1990er-Jahre gibt es im Rahmen des Stadtmarketings diverse Überlegungen (von einer sanften Vermarktung über esoterische Großveranstaltungen bis zum Musical-Bau) im Rat der Stadt Horn-Bad Meinberg, den Platz an den Externsteinen zum Event-Ort auszubauen. Diese Pläne wurden bislang aber nicht umgesetzt und wurden vor allem von Natur- und Denkmalschützern stark kritisiert. Seit 2005 gibt es Pläne für einen „Germanischen Themenpark Asgard“ unter Einbeziehung der Externsteine.

Externsteine

Externsteine

Mittlerweile besteigen bis zu einer Million Menschen jährlich über die aufwändig in den Fels geschlagene Treppenaufgänge, sowie eine Brücke, die Externsteine um den Blick bei guten Wetter bis zum Köterberg zu genießen. Tagsüber muss für den Aufgang zu beiden Felsen ein Eintrittsgeld bezahlt werden; außerhalb der Öffnungszeiten ist einer dieser Felsen jedoch kostenfrei und vollständig zugänglich. Abseits der Wege ist das Klettern und das Betreten der Felsköpfe jedoch zum Schutz der seltenen Vegetation grundsätzlich und teilweise deutlich beschildert untersagt.

Wanderer erreichen die Externsteine von Norden her kommend über den Hermannsweg und von Süden her kommend über den Eggeweg, der Teil des Europäischen Fernwanderwegs E1 ist.

Auch die Deutschen Bundespost Berlin hat 1989 ein Abbild der bizzaren Steine in die Serie Sehenswürdigkeiten aufgenommen.

Dieser Ort nahe meiner Heimat hat mich stehst bei meinen Besuchen in seinen Bann gezogen, wie bereits Generationen vor mir. Einer der besten Earthcaches (GC17RNX) den ich kenne, ist hier an den Steinen mit einer Favoritpunktezahl von 113! (Stand: 06.2012). Also ein Abstecher hier her lohnt sich auf jeden Fall für Gross und Klein. Leider muss man zum Parken eine Gebühr entrichten, dafür hat das ansässige Lokal humane Preise. Auch ein kleiner Kiosk ist dort auf dem Gelände, sowie oftmals verschiedene Strassenmusiker oder Akrobaten auf der Slackline. Selbst Ponyreiten für die Kleinen habe ich dort schon gesehen.

 
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